Hrant Matevossian

Metsamor (Ausschnitt)

Es gibt keinen Krieg mehr, das letzte Massaker war vor 50 Jahren. Die Atmosphäre ist gut, über den Kindern fliegt friedlich der Engel der Menschenliebe. Nach einer guten Nacht kommt ein guter Tag. Die Mütterlichkeit ist für sich selbst in einem Winkel des Hauses, in dem sie den Sohn abends den Freunden und dem Ararat anheimgibt.

Die Hrastan-Brücke überquerend, mitten durch die krausen Aprikosenbäume, ging Chatchadur Abovian auf den Ararat zu. „Chatcher“, rief die Mutter aus den sonnigen Gärten von Chanaker. Mitten durch die Aprikosenbäume führte der Weg von Tscharents, eine Schulter hoch, die andere niedrig. Vom Berg Aragats stieg zum Stadtmarkt hinab der Kurde mit seinen Schafen. Vom Pfirsich tropfte der Tau, auf dem weiten Weg winkte der Nachtwächter in den Weinbergen mit seiner Hacke dem Kolchoseleiter auf seinem Wagen zu und hielt ihn an.

Auf den Lehmtrümmern rief nach dem nervösen Schlaf ein braungebranntes, kräftiges und kluges Mädchen mit Strohhut, eine Studentin der archäologischen Abteilung der Universität ihre Freundin: „Hasmik!“

Das Flugzeug setzte mit gedrosselten Motoren zur harten Landung an, hob wieder ab, entfernte sich, streifte mit einem Flügel die Legende der Arche auf dem Gipfel des Ararat, flog eine weite Schleife, berührte die Kuppel von Etchmiadzin, flog über Dvin, Ardashad und suchte nach dem Streifen festen Betons in diesem verrückten Land.

Achtung, Achtung. Auf dem Yerevaner West-Flughafen landete das Flugzeug SSSR 68 nach dem Flugplan 2345 der armenischen Airlines. Es wird gebeten, sich dem Flugzeug nicht zu nähern, bevor die Motoren stillstehen. „Vnimanje, Vnimanje, na pasadku pribil ..."

„Es wird gebeten, das Flugfeld nicht zu betreten. Zuwiderhandelnde werden mit aller Strenge des Gesetzes bestraft. Wir bitten, das Flugfeld nicht zu betreten, es könnten Gäste aus dem Ausland sein, das gehört sich nicht“.

„Mensch, wohin gehst du? Wenn dir etwas passiert, dann bin ich es, der die Verantwortung trägt, das weißt du doch. Dann bin ich dran“.

 

Der Gärtner ging dem Kolchosenleiter entgegen. Der hörte auf ihn, sie gingen zurück und er zeigte ihm die Spuren der Würmer im Boden. „Da ist es, ich habe es gefunden. Nicht dass ich es gefunden hätte, das Wasser hat es freigespült. Im Krug klang der Lärm des Flugzeugs nach. Die Erde frohlockte, der Boden sang wie die Kirche. Es war da eine ganze Reihe von dünn- wandigen roten Krügen mit dünnem Hals. Darauf, zwischen den Verzierungen, war mit akri- bischer Genauigkeit geschrieben: „Das sind die Krüge von Argishthis, dem Sohn des Meoas (kann es solch einen Namen geben?) Sie enthalten Trauben, Wein ...“ Was sollte sonst in den Krügen gewesen sein?

Dieser Garten soll ein Museum werden, dieser Kolchosleiter müsste zum Chef des Museums und dieser Gärtner zum Hüter des silbernen Spiegels der Frau des Argishthis werden.

„Puh ...“ Der Kolchosleiter setze sich zu den Krügen. „Ach Mensch – habe ich dich geschickt, Bäume zu gießen oder Krüge zu finden? Scheiße. Hör mal“, sagte er, „wir werden dich für zehn Jahre nach Mexiko schicken. Von dort könntest du sowohl eine neue Sorte Weintrauben als auch eine neue Weltanschauung mitbringen, solange du vor anderen den Mund hältst, dass du im Weingarten ein Museum gefunden hast.“

„Es gibt ja die Kirche von Vararshabad, die Kirche ist kein Garten. Wer soviel versteht, bravo. Unter der Kirche wurde gegraben, dort ist man auf einen heidnischen Tempel gestoßen. Wenn man auch unter dem Tempel gräbt, stößt man wahrscheinlich auf das vorheidnische Christentum. Wenn man wieder weiter gräbt, kommt wieder ein Tempel zum Vorschein. Sie haben ja Hacke und Pflug, was sollen sie sonst tun? Außerdem sind das ja Gelehrte. Was muss ich tun, um meine Trauben unter dem Tempelaltar einzusetzen?“

„In der Nacht war ich der Gärtner und du hast zu Hause geschlafen. Die Krüge hast du im Traum gesehen und an den Traum kannst du dich auch nicht genau erinnern. Nun lass deine Hacke da und geh“.

 

Die Schulbuben des Dorfes Armavir, die nun die Mähmaschine bedienen, Tomaten sammeln, die Wasserleitungen legen, machen Ausgrabungen, holen jeden Tag aus dem Lehm Halsketten, verrottete Tellerstücke, manchmal eine grobe Silbermünze, eine Lehmschüssel heraus und ver- dienen damit täglich 2 Rubel und 50 Kopeken. In der Schule bekommen sie im Fach „Geschichte Armeniens“ ein Nicht Genügend. Nun sitzen sie auf den Lehmtrümmern, schä- men sich, auf die bronzefarbenen Beine der Studentinnen zu schauen und verlieben sich, bis ihnen die Tränen kommen. Wozu diese Ausgrabungen ... ?