Hrant Matevossian
Hrant MATEVOSSIAN

Hrant MATEVOSSIAN

Hrant Matevossian wurde 1935 in dem armenischen Dorf Ahlidzor geboren. 1952 zog er nach Yerevan, wo er in einer Druckerei arbeitete. Von 1958 bis 1962 arbeitete er als Lektor für die Zeitschriften Sovetakan Grakanutyun und Grakan Tert. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller Armeniens, von 1995 bis 2000 war er der Vorsitzende des Autorenverbandes Armeniens. Sein Werk  wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Hrant Matevossian starb im Dezember 2002.

Diese Prosa gehört zu den kompliziertesten Texten des Autors, der sonst mit langem Atem und in sehr klaren poetischen Bildern erzählt. Während der 40 Seiten (hier wird nur der Beginn präsentiert) ist keine Dramaturgie auszumachen, es geht, in verschiedenen Facetten, um ein Thema: Wie kann ein lebendiges Land zu einem Museum werden, wie kann man unter dem Druck der Vergangenheit leben? Eine Frage, die im gesamteuropäischen Kontext stets aktuell bleibt.

... In dieser lieben-schrecklichen, klug-verrückten, verständlich-verworrenen Welt ist es grau- sam, nackt zu sein, ein bloßgelegter Nerv der Welt, ein Schriftsteller. Vor einem weißen Blatt Papier kann man sich jede Sekunde auflösen.
Was macht der Schriftsteller? Die Welt ist nicht so, wie er will, er will die Welt nach seinem Willen formen. Das konnte auch der Faschismus nicht, all die Genies, all die Schizophrenen haben sich ihre Köpfe zermartert, und ein armseliges Geschöpf namens Schriftsteller, nur mit seiner Tinte, sitzt und versucht der Welt ein neues Antlitz zu geben. Und bis heute tut er nichts anderes [...]

Ich möchte eine neue Weide ausbreiten, sie mit neuen Menschen und Tieren bevölkern und ich denke, es gelingt mir. Einen Dorfnamen, zwei Bewohner und ein paar Tiere habe ich schon. Viele kommen aus dem Dorf meiner Erinnerung, manchmal kann ich sie auch „einfach aus mir heraus“ erschaffen und all das ergibt den Eindruck einer Neubesiedlung. Ich wollte sehr, dass meine Weide groß und sonnig sein möchte, ich wollte sehr, dass die Bewohner nur gut sein möchten, dass es für die Schlechten dort keinen Platz geben sollte, dass das Leben meiner Menschen ein blühendes wäre, zu guten Zeiten, dass Krieg und Feindseligkeiten niemals dort- hin kommen könnten, doch ich bin gezwungen, der Chronist meiner Zeit zu sein.